Rückblick auf mehr als 20 Jahre Weltreisen mit der MDR-Kamera – Ein Versprechen an den Freund war der Ausgangspunkt für alle Filme…

Ab dem 1. Dezember wird Thomas Junker an dieser Stelle viele Informationen sowie Hintergrundgeschichten rund um seine Filme präsentieren. Woche für Woche mit vielen Fotos und spannende Anekdoten aus dem Nähkästchen des Filmemachers.

Hier schon einmal eine Geschichte vorab. Die, wie alles anfing.

Es war das Jahr 1990, der Sommer ging dem Herbst entgegen. Der MDR war noch nicht gegründet, geschweige denn auf Sendung. Ich war in der Nähe von Zürich bei Ruedi, einem meiner besten Freunde. Es war seine Abschiedsfeier, hatte er doch beschlossen, mit Frau, Kind und Hund nach Karachi (Pakistan) zu ziehen. Die Jahre zuvor waren wir oft mit den Motorrädern durch Europa gezogen, nach Spanien und Portugal, über viele Alpenpässe, nach Italien und Frankreich.

Der Abend war so fröhlich, wie ein Abschied sein kann, wenn man sich für die freut, die in die Ferne ziehen und dort eine neue Welt entdecken können. Trauer kam auch auf, bei denen, die zurück blieben, vor allem bei den Eltern. In Vorinternetzeiten war Kommunikation in ein solch entferntes Land noch schwierig und mühsam, manchmal für viele Tage auch unmöglich. Telefonleitungen brachen gern einmal zusammen und wurden erst Tage später geflickt. Und Briefe brauchten eine halbe Ewigkeit.

Just an diesem Abend wurde der Grundstein für 20 Jahre Weltreisen mit der MDR-Filmkamera gelegt. Denn angefangen hat alles mit einem Versprechen, gegeben am Ende dieses langen, wein- und bierseeligen Abend. Zu später Stunde rang Ruedi mir das Versprechen ab, sein Motorrad binnen Jahresfrist nach Karachi zu bringen. Natürlich konnte ich dem Freund dies nicht abschlagen. Zu verlockend die Aussicht auf ein großes Abenteuer!

Ruedi und Familie flogen gen Asien, ich kehrte zum Bayerischen Rundfunk nach München zurück und wenig später zog ich als ARD-Beauftrager für das neue Bundesland Sachsen nach Leipzig und Dresden. Die Monate verstrichen, Ruedi ging seiner Tätigkeit als Entwicklungshelfer nach, ich berichtete für Tagesschau und Tagesthemen sowie der Rundschau des Bayerischen Rundfunks aus Sachsen – auch über ein Ereignis im August 1991. Professor Udo Reiter wurde als Gründungsintendant gewählt. Und einen Tag später fragte er mich, ob ich nicht bleiben und die Fernseh-Nachrichtenredaktion mit aufbauen wolle. Was für eine Chance! Natürlich nahm ich das Angebot an.

Doch ein paar Tage später erreichte mich ein Anruf von Ruedi. Das Jahr sei nun schon fast rum, sein Motorrad aber würde noch immer in Europa stehen. Wie es denn stünde um das gegebene Versprechen?
Was für eine Zwickmühle! Auf der einen Seite stand ich im Wort beim Freund, auf der anderen galt es den MDR aufzubauen. Bis zum Sendestart waren es ja nur mehr knappe vier Monate. Um es kurz zu halten, die neuen Chefs hatten ein Einsehen, ließen mich von dannen ziehen. Jedoch nur unter der Bedingung, dieses Abenteur auf zwei Rädern mit der Kamera festzuhalten. Und mehr als sechs Woche dürfe ich auch nicht brauchen! Mein Herz war befreit, die erste ganz große Überlandfahrt via Österreich, Italien, Griechenland, Türkei, Iran nach Pakistan bis zur chinesischen Grenze auf 4800 m im Karakorum-Gebirge konnte beginnen.

Fortsetzung folgt im November 2012 – nach dem Ende der Filmproduktion Durch das verwegene Herz Zentralasiens