Stau im Gebirge

Eigentlich ist die Straße von Osch nach Bischkek eine wunderbar ausgebaute, geteerte Straße. Die Kurven der Passstraßen sind so angelegt, dass selbst LKWs gut nach oben und unten kommen. Eigentlich.

Es sei denn, irgendwo bleibt ein Fahrzeug liegen oder es gibt sonst einen Grund, warum von hinten kommende Fahrer meinen, überholen zu müssen. Auch wenn es mehr als ersichtlich ist, dass kurz in der Spur zu warten sinnvoll wäre, kommt es zu einer wilden Jagd.

So geschehen auf einer Passstraße nahe Bischkek. Nach vorne ging nichts mehr, weil auf der eisigen Straße ein Truck ins Rutschen kam. Nun hatte dieser 2/3 der Fahrbreite blockiert. Unter normalen Umständen würden die anwesenden Polizisten den Verkehr blockweise an dem Hindernis vorbeilassen.

Nicht so in Zentralasien. Von beiden Seiten überholen sehr ungeduldige Menschen die wartenden Fahrzeuge. Das führt natürlich binnen weniger Minuten zu einem Stau auf beiden Seiten, und zwar zu einem doppelspurigem. Was geschieht nun? Neben diesem doppelspurigen Stau entdecken ganz ungeduldige und schlaue Fahrer noch Platz für mindestens eine Autobreite. Die wird selbstverständlich genutzt und so ist bald die komplette Straße völlig zu. Ganz findige Köpfe versuchen noch ein Überholmanöver über die verschneite Straßenböschung. Was nicht vom Erfolg gekrönt wird aber sehr zum Unterhaltungswert der Wartenden beiträgt. Schließlich dauert die Wartezeit am Ende mehr als vier Stunden.

Fehlt noch die Schilderung des großen Finales, wenn es doch gelingen sollte, das Hindernis zu passieren (egal von welcher Seite).

Das mag sich ein jeder selbst ausmalen, wie es wohl ist, wenn von vorne nun entgegenkommende Autos und LKWs sich versuchen, ihren Weg zu bahnen, aber einfach kein Platz ist.

Muss man dazu noch sagen, dass das ganze Schauspiel in einer Überholverbotszone war und die Polizisten alles gemacht haben, nur nicht den armen Liegengebliebenen zu helfen und den Verkehr zu regeln. Nein muss man nicht. Wir sind schließlich in Zentralasien. Da ist das Normalität.