Old Harry Potter & Hermine in Kyzylorda

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Samantha M. Günther   Nach den eindrucksvollen Drehtagen in Almaty geht es für Thomas, unserem Übersetzer Vitaly und mich in die 1160 Kilometer entfernte Stadt Kyzylorda. 42 Grad heiß ist es und 14 Stunden lang dauert unsere Autofahrt, bis sich das Stadttor vor uns offenbart.

Mein Blick wandert von links nach rechts. Weit und breit kann ich noch immer keine Reisfelder entdecken. Laut unseren Recherchen wird hier Reis in riesigen Mengen angebaut. Stattdessen sehe ich Wohnhäuser, Restaurants, Supermärkte, einfach ein ganz typisches kasachisches Stadtleben. Wo sind die Reisfelder? Wir checken in unsere Unterkunft ein. Ich spüre die lange Autofahrt in meinen Beinen und die Müdigkeit in meinen Augen. Dabei ist Thomas die ganze Zeit der Fahrer. Ich kann erahnen, wie kaputt er sich fühlen muss. Während wir das Abendessen bezahlen, erwähnt es die Kellnerin das erste Mal. Thomas und ich sehen aus, wie zwei Schauspieler aus einem bekannten Kinofilm. Ob wir nicht Harry Potter kennen. Ich sehe aus, wie Hermine. Und Thomas mit seiner Brille, wie Harry Potter, nur etwas älter. Ich muss lachen, denn meine Freunde würden mich wohl optisch kaum mit Hermine vergleichen. Ich denke mir, dass wird wohl ein einmaliger Vergleich bleiben.

Es ist 10:00 Uhr, als uns am nächsten Morgen die PR Managerin Naserke Zhussipali von der Reisproduktionsfirma Abzal & Company empfängt. Nach einem Vorgespräch mit dem Direktor Abzal Yeraliev zeigt Naserke uns die zwei Reisfabriken. Rund 300 Arbeiter sind hier beschäftigt. Ausführlich und freundlich erklärt uns die 23-Jährige die einzelnen Herstellungsprozesse. Es ist 12 Uhr, als das Thermometer drückende 43 Grad anzeigt. Wir treffen auf Marat Sarsenbayev, einem Mitgründer der Firma, der uns zum Mittagessen einlädt. Eine Absage duldet er nicht. Es ist ihm, der selbst schon mehrmals in Deutschland eingeladen wurde, eine Ehre. Während wir die traditionellen Speisen von Kasachstan probieren, mustern seine braunen Augen mich. Kurz darauf spricht er zu Naserke. Mit einem breiten Lächeln erzählt sie mir, dass ich seiner Meinung nach einer Schauspielerin ähnle. Hermine, aus dem Film Harry Potter. Ich muss schmunzeln.

Weiter geht es zu den 40 Minuten entfernten Reisfeldern bei Besaryk Village. Hier sind sie, die besagten 60 000 Hektar Reisfelder. Reis bis zum Horizont. Reis vor allem für Kasachstan, Russland, Usbekistan , Tadschikistan, Turkmenistan und Kirgistan. Beeindruckende Bilder, die wir mit der Kamera festhalten. Dann treffen wir noch ein letztes Mal für ein Interview auf Direktor Abzal. Bei der Verabschiedung drückt er meine Hand und spricht auf Kasachisch zu mir: “Auf Wiedersehen, Samantha. Auf Wiedersehen Hermine!“
Danke Abzal, Marat und Naserke für Euren freundlichen Empfang in Eurer Stadt und Firma. Kyzylorda wird mir gut in Erinnerung bleiben!
Samantha M. Günther ist Assistentin dieser Filmproduktion und wird an dieser Stelle neben dem Filmemacher Thomas Junker von ihren Erlebnissen und Eindrücken während der Dreharbeiten berichten.