Aralsk – Eine Frage der Perspektive

wpid-20150808_165637.jpgSamantha M. Günther   Knapp 300 Kilometer liegen wieder hinter uns. Wir sind in Aralsk, in der Stadt, die einst am Aralsee lag. Viel konnten wir über das langsame Verschwinden des Sees bei unseren Recherchearbeiten lesen, aber dafür nur wenig über die Menschen in der Stadt selbst erfahren.

Meist nur ein paar Fotos vom Bahnhof, von einer alten Fischfabrik und verschiedenen Schiffwracks. Außerdem soll es ein Hotel in der knapp 30 000 Einwohnerstadt geben. Eine Unterkunft, die wenn man nach den Internetfotos gehen würde, hygienetechnisch eine Herausforderung werden könnte. Ich stelle mich einfach auf zwei abenteuerliche Nächte ein. Doch ist es wirklich so? Mein erster Eindruck von Aralsk, hier herrscht ein lebendiger Alltag. Meiner Meinung nach, sogar noch mehr, als in Baikonur. Baikonur bleibt mir mit trüben Wohnblocks und ungepflegten Parks in Erinnerung. Doch hier in Aralsk gibt es farbige Dächer und Eingangstore. Befahrbare Straßen. LED-Ampeln. Für mich heißt Verkommenheit etwas anderes. Wir fahren an zwei kleinen Hotels vorbei. Dass eine etwas neuer, dass andere schon älter. Aber keins von Beiden ist unseres. Also gibt es doch nicht nur ein Hotel in dieser Stadt, wie es in den meisten Reiseberichten stand. Ich lese das Schild „Hotel ARAL“. Von außen sieht das Gebäude etwas unscheinbar aus. Nach einem typischen Wohnblock, dass an die Zeit der alten Sowjetunion erinnert. wpid-20150807_195434.jpgWir erhalten unsere Schlüssel und bringen unser Gepäck in die Zimmer. Groß sind sie, sauber und gepflegt. Es sind zwei Zimmer der Kategorie „Lux“ für umgerechnet 30 Euro pro Nacht und Zimmer. Jeweils ein Schlafzimmer, Bad und Arbeitszimmer. Wir haben Glück, denn das Hotel besitzt nur zwei Zimmer davon. Liebevoll sind die Betten hergerichtet. Oben darauf liegen fein zusammengelegt die frisch gewaschenen Handtücher. Ich bin über das einfache aber saubere Bad positiv überrascht. Zwei Welten treffen für mich hier aufeinander. Die Welt, in dem das Hotel negativ im Internet repräsentiert wird und die, welche ich gerade erleben darf. Sogar neue Fenster haben sie eingebaut. Im ganzen Haus, nicht nur in meinem Zimmer. Auch der Teppich ist gepflegt und die Gardinen sind sauber. Es lässt sich einfach hier angenehm arbeiten. Dies ist keine Werbung für die Unterkunft, sondern nur eine kurze Hommage. Es ist nur fair der alten Besitzerin des Hotels gegenüber, die täglich alle alten Räume pflegt und sauber hält. Dies nur kurz aus meiner Sicht und meiner subjektiven Perspektive. Und das gilt übrigens auch für die anderen Zimmer des Hotels, die kleiner sind. Aber sauber sind sie alle.

Samantha M. Günther ist Assistentin dieser Filmproduktion und wird an dieser Stelle neben dem Filmemacher Thomas Junker von ihren Erlebnissen und Eindrücken während der Dreharbeiten berichten.