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Das große Festessen zum Ende des Ramadan

Ich habe viel erlebt während all meiner Reisen in den letzten mehr als 20 Jahren. Aber solch eine herzliche, fröhliche, freundliche und dennoch gleichzeitig tiefe religiöse Besinnlichkeit habe ich bisher noch nicht erleben. Die Menschen in Talas, zumindest jene sieben Familien, zu denen auch die Besitzer unserer kleinen Herberge zählen, sie haben das Ende des Ramadans mit einem ganztägigen Festessen gefeiert.

Es begann am Morgen um 8 mit einem ersten Frühstück im Hause der ersten Familie (alle sieben wohnen in der gleichen Straße, sind Nachbarn). Eine Stunde später zog der Tross weiter – zum zweiten Frühstück. Essen und Beten, erzählen, gemeinsam Freude haben, von Familie zu Familie ziehen, bis zum Abend. Ein kulinarischer Hohepunkt dabei war sicherlich das kirgisische Nationalgericht Bischpermak. Das große Festessen zum Ende des Ramadan weiterlesen

Ramadan geht zu Ende…

…und die Menschen in Talas, zumindest jene, die dem Islam angehören, bereiten sich schon heute (Samstag), intensiv auf das morgige Abschlussfest vor. Unsere Vermieter haben beispielsweise den Hof zur Kochstelle umfunktioniert. Auf einer Feuerstelle ist eine überdimensionale Pfanne, eigentlich mehr ein Kessel. Im heißen Fett werden verschiedene Teigwaren mit und ohne Gemüse ausgebacken.

Ein paar Häuser weiter wird ein Schaf geschlachtet. Das gehört zur guten Tradition. Pro Familie ein Tier. Nicht alle machen das, aber für viele Gläubige ist dieses Fest der wichtigste Tag im Jahr. Da darf es schon ein solches Opfer sein. Zumal beim morgigen Festessen auch die Familienmitglieder sowie anwesenden Gäste geehrt werden. Die wichtigste Person bekommt den Kopf. Und auch alle anderen Teile des Tieres werden nach festen Regeln zugeteilt.

Schlachten für das große Fest Ramadan geht zu Ende… weiterlesen

Endlich da: Visa und Akkreditierung für Usbekistan

Es hat lange gedauert, hat am Ende einige Nerven gekostet. Aber ich will nicht klagen, schließlich können wir doch unseren Weg durch Zentralasien so nehmen, wie wir das ursprünglich geplant haben. Am Dienstag (21. August) werden wir nach Usbekistan einreisen. Zuerst für eine paar Tage im Ferganatal bleiben, dann via Taschkent und Samarkand zum Aralsee fahren. Vor der Weiterreise nach Tadschikistan steht noch ein ausführlicher Aufenthalt in der alten Karawanserei Buchara auf dem Drehplan.

Wir haben lange für diese Tage in Usbekistan gekämpft. Mein Dank gilt allen, die uns dabei über Wochen hinweg unterstützt haben!

Von Bischkek nach Talas zum Hutmacher Turdubek

Nun ist es soweit. Unsere Reise durch Zentralasien hat begonnen. Wir haben Bischkek verlassen, sind gen Südwesten gefahren, hinein ins Gebirge. Die Region Talas ist unser erstes Ziel. Fünf Stunden für rund 260 km muss man rechnen. Zwei hohe Pässe mit 2564 m und 3330 m wollen überquert werden. Steil zieht die Straße beim ersten Pass nach oben, endlos erscheinen die Serpentinen. Ein erste Vorgeschmack auf das, was uns später im Pamir und Tianshan erwarten wird. Aber immerhin, die Straßen sind geteert und in einem recht guten Zustand. Entlang der Strecke stehen immer wieder Jurten. Nomaden haben sich mit ihren Tieren an dieser viel befahrenen Straße niedergelassen. Verkaufen Stutenmilch und andere kirgisische Spezialitäten. Hoffen auf ein gutes Nebengeschäft.

Jurten säumen den Weg nach Talas

Talas liegt in einem weiten Tal. Die Hänge der bis zu 4500 m hohen Berge sind karg, fast schon wüstenartig. Die Stadt liegt in einem grünen Gürtel. Die moderne Internetkommunikation ist in Talas stark eingeschränkt. Die Menschen haben andere Sorgen. Viele Häuser müssen jeden Tag für mehrere Stunden ohne Wasser auskommen. Bei Temperaturen von rund 35° C im Schatten ist das sicherlich kein Spaß. Nur eines von vielen Problemen. Klagen hört man die Menschen in der Stadt jedoch nicht. Seit etlichen Jahren hat sich die Lage nicht wirklich verbessert. Sie wissen sich zu helfen.

Oder besser gesagt, sie müssen es, wenn sie über die Runden kommen wollen.

Karge Landschaft oberhalb von Talas, Kirgistan

Ein Beispiel ist der Hutmacher Ailtschew Turdubek. Heute ist er ein bekannter Mann, selbst der Präsident soll eines seiner Werke auf dem Haupte tragen. Angefangen hat er nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion. Die wirtschaftliche Not war groß. Betriebe brachen zusammen, neue Arbeitsplätze entstanden keine. Also beschloss er, traditionelle kirgisischen Fellmützen zu nähen. Inzwischen verkauft er auch in der Hauptstadt Bischkek seine Handwerkskunst und beliefert sogar Kunden in Kasachstan und Sibirien. Die Geschäfte laufen. Seine Tochter Machabat steigt mehr und mehr in die Produktion mit ein. Sie wird die Hutkunst aus Talas auch in der nächsten Generation fortführen.

Hutmacherin Machabat aus Talas, Kirgistan

Das wir diesen Blogeintrag und die Fotos überhaupt überspielen können, haben wir unserem Satellitentelefon zu verdanken. Ein bisschen unorthodox mag der Standort sein, den wir wählen mussten. Aber Reservekanister sind halt nicht nur für den Transport von Diesel da…

Matthias Kofahl mit Übertragungstechnik auf dem Dach des Expeditionsautos

Auto angekommen, Visa in Aussicht

Es war kurz vor 2 Uhr in der Nacht, als unser Expeditionsauto vor dem Hotel geparkt wurde. Mit nur einem Arbeitstag Verspätung ist das Auto, mit dem wir schon im vergangenen Jahr von Deutschland aus quer durch Russland nach Wladiwostok gefahren sind, bei uns abgeliefert worden. Mit einer Spedition (herzlichen Dank an Eugen Theurer und Rudolf Elke!!) ist es per LKW nach Almaty (Kasachstan) transportiert worden, und von dort ging es vergangene Nacht per Achse weiter.

Noch eine gute Nachricht hat uns soeben per Telefon erreicht. Unsere Route durch Usbekistan ist von den Behörden genehmigt worden. Lange Zeit war das noch offen. So können wir jetzt wie geplant unsere Dreharbeiten in Zentralasien durchführen. Zumal sich auch die Lage im Pamir-Gebirge (Tadschikistan) normalisiert hat. Die Sperrung des Gebietes um die Stadt Khorog soll aufgehoben worden sein.

Morgen werden wir Bischkek westwärts verlassen. Die Talas-Region ist unser erstes Ziel.

Der Lovepark in Bischkek

Ein Seitenblick von Matthias Kofahl

Ja, genau dahin soll es gehen. In den Love Park. Am Sonntagmorgen beschließe ich, Julia zu diesem wichtigen Platz für Bischkek zu folgen. Julia ist Anfang zwanzig, studiert Germanistik und Deutsche Geschichte. Sie möchte mir das jugendliche Gesicht der Stadt zeigen und darin spielt dieser vielsagende Park eine bedeutende Rolle. Liebespaare können sich selten zuhause treffen. Auf viel zu engem Raum leben dort meist mehrere Generationen in den Plattenbauten zusammen.

Julia Der Lovepark in Bischkek weiterlesen

Bischkek, ein Basar und die Suche nach einem Poloshirt

Der Sonntag hat gerade sehr sonnig hier in Bischkek begonnen. Um die 35° C werden es heute wohl wieder werden. Regen ist keiner zu erwarten. Normales Sommerwetter in diesem Teil Zentralasiens. Von unserem Auto haben wir noch nichts Neues gehört. Das wird wohl auch so bis zum morgigen Montag bleiben. Bis eben die entsprechenden Behörden wieder arbeiten. So bleibt uns Zeit, Bischkek zu erkunden. Gestern haben wir das mit Elena gemacht. Sie spricht hervorragend Deutsch und kennt vor allem den Osch-Basar sehr gut. Denn sie wohnt gleich um die Ecke.

Den Basar sehen aber auch den eigenen Kleiderengpass ein wenig beseitigen. Eine gute Idee. Wir haben also Elena gefragt. Ein Poloshirt wäre nicht schlecht. Wäsche zum Wechseln eben. Doch dieses Vorhaben sollte sich als eine schwierige Nummer erweisen.

Der Filmemacher zusammen mit der Dolmetscherin Elena auf dem Osch-Basar in Bischkek

Im Stadtzentrum gibt es einige Einkaufszentren, die ähnlich den unsrigen in der Heimat sind Bischkek, ein Basar und die Suche nach einem Poloshirt weiterlesen

Es geht los…

…wenn auch mit Hindernissen. Der Flug via Istanbul nach Bischkek war noch ohne besondere Vorkommnisse. Auch die Einreise am Flughafen gestaltete sich als eine überraschend schnelle Angelegenheit – wohl auch dank der Aufhebung der Visapflicht u.a. für Deutsche, die vor zwei Wochen umgesetzt worden ist. Um 4 Uhr in der Früh kamen wir glücklich in unserem kleinen Hotel in der kirgisischen Hauptstadt an.

Doch ein paar Stunden später kam die Nachricht, dass wir auf unser Auto noch ein paar Tage warten müssen… Es geht los… weiterlesen

Das letzte Wochenende zuhause

Luft holen, Auftanken, Freunde treffen und für ein paar Stunden nicht an den Film denken, sondern tief ins Private abtauchen – auch wenn noch immer ein Visa und die Drehgenehmigung für ein Land fehlt. Aber an diesem Wochenende können wir eh nichts unternehmen. Die Botschaft und die Ministerien sind geschlossen. Da hilft nur abwarten. Montag oder Dienstag werden wir mehr wissen und dann entscheiden, wie wir weiter verfahren. Für das erste Land, Kirgistan, haben wir alle Dokumente. Können also mit der Arbeit beginnen, wenn denn unser Auto mit Teilen des Equipments planmäßig ankommt.

Alles weitere wird sich finden. Die Erfahrungen aus den letzten mehr als 20 Jahren Filmen weltweit haben mich gelehrt, dass sich immer eine gute Lösung finden lässt. Selbst wenn man diese erst im allerletzten Moment findet.

Unruhen im Pamirgebirge

In Tadschikistan gibt es im Bereich des Pamir-Gebirges nicht wirklich viele Straßen. Genauer gesagt gibt es nur eine große Piste, die von der Hauptstadt Duschanbe hinauf und durch das Gebirge führt. Diese ist seit drei Tagen gesperrt. Der Grund, in der Region um die an Afghanistan grenzende Stadt Khorog hat es blutige Auseinandersetzungen gegeben. Dabei sollen unbestätigten Angaben zufolge bis zu 200 Menschen gestorben sein. Die Regierung spricht von 42 Toten, zwölf Soldaten und 30 bewaffnete Rebellen.

Hintergrund für die Auseinandersetzungen scheint der Mord an dem Geheimdienstchef der Region zu sein. Nicht auszuschließen ist auch, dass die Gründe für den Konflikt im massiven Rauschgiftschmuggel liegen können. Durch das Pamirgebirge wird ein Großteil des in Russland konsumierten Opium und Heroin transportiert. Beim Versuch, diesen zu unterbinden kam es in der Vergangenheit immer wieder zu tödlichen Zwischenfällen.

Nach Informationen unserer Kontaktpersonen in der Region hat sich die Lage inzwischen beruhigt. Unsere geplanten Dreharbeiten in diesem Teil Tadschikistans Mitte September stehen noch nicht zur Disposition. Wir werden jedoch die Lage weiterhin beobachten und gegebenenfalls unsere Route durch Tadschikistan ändern.

 

Warum einfach wenn es auch kompliziert geht…

Wir haben den 28. Juli, in 12 Tagen startet unsere Filmexpedition durch Zentralasien. Und unser Auto steht noch immer in Deutschland, wartet darauf, endlich nach Bischkek, Kirgistan, unserer ersten Station gebracht zu werden. Eigentlich sollte es schon längst auf dem Weg dorthin sein, wenn nicht sogar schon dort. Aber wir haben die Rechnung ohne den deutschen Zoll gemacht.

Pflichtgemäß wurden Fahrzeug und geladenes Equipment vor zwei Wochen den Beamten vorgeführt. Ein von der Behörde ausgehändigtes Dokument ausgefüllt. Der Wagen anschließend für den Transport versiegelt. Sollte alles reichen, dachten wir zumindest. Aber vorgestern ereilte  mich ein Anruf einer Zollbeamtin, in der mir diese eröffnete, man brauche nun ein völlig anderes Dokument. Das vorhandene sei nicht jenes, welches benötigt würde…

Nein, nicht wundern. Auch nicht sich fragen, warum man denn vor Tagen ein anderes Zollformular bekommen habe – von der gleichen Zollstelle. Hilft nix…

Dem Vernehmen nach ist der LKW samt unserem Expeditionswagen nun unterwegs. Natürlich mit dem neuen Dokument. 10 Tage wird der Transport dauern. Vorausgesetzt, es treten keine weiteren Komplikationen auf.

Aus Donnerstag ist Montag geworden…

… aber nun hat es geklappt. Unser Expeditionsauto hat alle notwendigen Zollhürden genommen und ist auf dem Weg nach Bischkek, Kirgistan. Wir selber werden noch ein paar Tage warten müssen. Unser Abflug ist für den 9. August geplant.

Die Zeit bis dahin wird uns allerdings nicht langweilig werden. Noch immer sind nicht alle Visa und Drehgenehmigungen erteilt. Da bleiben also noch einige Wege zu gehen…

 

Am Donnerstag ist es endlich soweit…

Eigentlich sollte unser Expeditionsauto schon längst auf dem Weg nach Zentralasien sein. Aber auf Grund vieler kleiner Umstände geht die Reise für unseren fahrbaren Untersatz erst an diesem Donnerstag los.

Was bereits feststeht ist die grobe Route. Wir werden zuerst in Bischkek (Kirgistan) sein, dann via Talas, dem Ferganatal (Usbekistan) und Buchara den Aralsee ansteuern. Anschließend über Duschanbe (Tadschikistan) in die Pamir-Region fahren und schließlich zurück nach Kirgistan zu den hohen Bergen des Tian-Shan-Gebirges.

Durch das verwegene Herz Zentralasiens – der neue Filmtitel verrät…

Es geht weiter…

… wohin es demnächst geht: Kirgistan, Usbekistan und Tadschikistan. Von der Wüste um den fast ausgetrockneten Aral-See bis ins Tian Shan- und Pamir-Gebirge. Elf geballte Expeditionswochen. Am 9. August startet die Filmreise von Thomas Junker und seinem Filmpartner Matthias Kofahl. Ende November ist die fünfteilige Reportage im Fernsehen zu sehen. Natürlich zuerst beim MDR.

Alle weiteren Informationen über Durch das verwegene Herz Zentralasiens können Sie ab sofort hier finden. Die beiden Filmemacher werden ausführlich darüber berichten, was vor und hinter der Kamera passiert. Schon am kommenden Montag (2. Juli) wird unser Expeditionsauto bereits auf die Reise nach Zentralasien geschickt.

Schauen Sie ab und an mal rein. Es wird sich lohnen.

Rückblick auf mehr als 20 Jahre Weltreisen mit der MDR-Kamera – Ein Versprechen an den Freund war der Ausgangspunkt für alle Filme…

Ab dem 1. Dezember wird Thomas Junker an dieser Stelle viele Informationen sowie Hintergrundgeschichten rund um seine Filme präsentieren. Woche für Woche mit vielen Fotos und spannende Anekdoten aus dem Nähkästchen des Filmemachers.

Hier schon einmal eine Geschichte vorab. Die, wie alles anfing.

Es war das Jahr 1990, der Sommer ging dem Herbst entgegen. Der MDR war noch nicht gegründet, geschweige denn auf Sendung. Ich war in der Nähe von Zürich bei Ruedi, einem meiner besten Freunde. Es war seine Abschiedsfeier, hatte er doch beschlossen, mit Frau, Kind und Hund nach Karachi (Pakistan) zu ziehen. Die Jahre zuvor waren wir oft mit den Motorrädern durch Europa gezogen, nach Spanien und Portugal, über viele Alpenpässe, nach Italien und Frankreich.

Der Abend war so fröhlich, wie ein Abschied sein kann, wenn man sich für die freut, die in die Ferne ziehen und dort eine neue Welt entdecken können. Trauer kam auch auf, bei denen, die zurück blieben, vor allem bei den Eltern. In Vorinternetzeiten war Kommunikation in ein solch entferntes Land noch schwierig und mühsam, manchmal für viele Tage auch unmöglich. Telefonleitungen brachen gern einmal zusammen und wurden erst Tage später geflickt. Und Briefe brauchten eine halbe Ewigkeit. Rückblick auf mehr als 20 Jahre Weltreisen mit der MDR-Kamera – Ein Versprechen an den Freund war der Ausgangspunkt für alle Filme… weiterlesen