Samstagmorgen in Taschkent und die Suche nach Diesel

Das mit dem Diesel ist so eine Sache. Tankstellen haben wir im Ferganatal und auf der Fahrt nach Taschkent viele gesehen. Nur wirklich geöffnet waren allerdings deutlich weniger. Noch geringer ist die Anzahl der Tankstellen, die neben Gas und Benzin auch Diesel verkaufen. Um es genau zu sagen, bisher war es eine Einzige. Ohne die sehr große und freundliche Hilfe des vom Rang her zweithöchsten Verwaltungsbeamten in Fergana, Sufa sein Name (er war auch für unsere Sicherheit verantwortlich), hätten wir vermutlich die Weiterreise nicht antreten können.

Nun aber sind wir in Taschkent und die Suche geht aufs Neue los. Dank unserer gefüllten Reservekanister auf dem Dach kommen wir sicherlich noch bis zu unserem nächsten Ziel, der Stadt Samarkand. Aber dort soll die Lage nicht anders sein. Also suchen wir jetzt erst einmal intensiv in der usbekischen Hauptstadt.

Warum es an Diesel in einem Land mit großen Ölvorräten überhaupt mangelt? Die Ernte steht bevor, deshalb werden die Dieselvorräte für die dabei benötigten Traktoren und sonstigen Landwirtschaftsmaschinen gebunkert. Das ist nicht meine Erkenntnis, sondern die Antwort, die wir von offizieller Seite erhalten haben.

Tage im Ferganatal, Usbekistan

Es waren, es sind Tage der besonderen Begegnungen. Da ist der 86-jährige Mann, der in aller Ruhe am Rosinenstand auf dem Basar von Fergana die verschiedenen Angebote testet, bevor er sich für eine größere Menge entscheidet. Seit 66 Jahren lebe er, der eigentlich Tadschike sei, in Fergana. Und seit dem komme er regelmäßig zu diesem Markt.

Es ist ein reiner Lebensmittelmarkt. Tage im Ferganatal, Usbekistan weiterlesen

Das große Festessen zum Ende des Ramadan

Ich habe viel erlebt während all meiner Reisen in den letzten mehr als 20 Jahren. Aber solch eine herzliche, fröhliche, freundliche und dennoch gleichzeitig tiefe religiöse Besinnlichkeit habe ich bisher noch nicht erleben. Die Menschen in Talas, zumindest jene sieben Familien, zu denen auch die Besitzer unserer kleinen Herberge zählen, sie haben das Ende des Ramadans mit einem ganztägigen Festessen gefeiert.

Es begann am Morgen um 8 mit einem ersten Frühstück im Hause der ersten Familie (alle sieben wohnen in der gleichen Straße, sind Nachbarn). Eine Stunde später zog der Tross weiter – zum zweiten Frühstück. Essen und Beten, erzählen, gemeinsam Freude haben, von Familie zu Familie ziehen, bis zum Abend. Ein kulinarischer Hohepunkt dabei war sicherlich das kirgisische Nationalgericht Bischpermak. Das große Festessen zum Ende des Ramadan weiterlesen

Ramadan geht zu Ende…

…und die Menschen in Talas, zumindest jene, die dem Islam angehören, bereiten sich schon heute (Samstag), intensiv auf das morgige Abschlussfest vor. Unsere Vermieter haben beispielsweise den Hof zur Kochstelle umfunktioniert. Auf einer Feuerstelle ist eine überdimensionale Pfanne, eigentlich mehr ein Kessel. Im heißen Fett werden verschiedene Teigwaren mit und ohne Gemüse ausgebacken.

Ein paar Häuser weiter wird ein Schaf geschlachtet. Das gehört zur guten Tradition. Pro Familie ein Tier. Nicht alle machen das, aber für viele Gläubige ist dieses Fest der wichtigste Tag im Jahr. Da darf es schon ein solches Opfer sein. Zumal beim morgigen Festessen auch die Familienmitglieder sowie anwesenden Gäste geehrt werden. Die wichtigste Person bekommt den Kopf. Und auch alle anderen Teile des Tieres werden nach festen Regeln zugeteilt.

Schlachten für das große Fest Ramadan geht zu Ende… weiterlesen

Endlich da: Visa und Akkreditierung für Usbekistan

Es hat lange gedauert, hat am Ende einige Nerven gekostet. Aber ich will nicht klagen, schließlich können wir doch unseren Weg durch Zentralasien so nehmen, wie wir das ursprünglich geplant haben. Am Dienstag (21. August) werden wir nach Usbekistan einreisen. Zuerst für eine paar Tage im Ferganatal bleiben, dann via Taschkent und Samarkand zum Aralsee fahren. Vor der Weiterreise nach Tadschikistan steht noch ein ausführlicher Aufenthalt in der alten Karawanserei Buchara auf dem Drehplan.

Wir haben lange für diese Tage in Usbekistan gekämpft. Mein Dank gilt allen, die uns dabei über Wochen hinweg unterstützt haben!

Von Bischkek nach Talas zum Hutmacher Turdubek

Nun ist es soweit. Unsere Reise durch Zentralasien hat begonnen. Wir haben Bischkek verlassen, sind gen Südwesten gefahren, hinein ins Gebirge. Die Region Talas ist unser erstes Ziel. Fünf Stunden für rund 260 km muss man rechnen. Zwei hohe Pässe mit 2564 m und 3330 m wollen überquert werden. Steil zieht die Straße beim ersten Pass nach oben, endlos erscheinen die Serpentinen. Ein erste Vorgeschmack auf das, was uns später im Pamir und Tianshan erwarten wird. Aber immerhin, die Straßen sind geteert und in einem recht guten Zustand. Entlang der Strecke stehen immer wieder Jurten. Nomaden haben sich mit ihren Tieren an dieser viel befahrenen Straße niedergelassen. Verkaufen Stutenmilch und andere kirgisische Spezialitäten. Hoffen auf ein gutes Nebengeschäft.

Jurten säumen den Weg nach Talas

Talas liegt in einem weiten Tal. Die Hänge der bis zu 4500 m hohen Berge sind karg, fast schon wüstenartig. Die Stadt liegt in einem grünen Gürtel. Die moderne Internetkommunikation ist in Talas stark eingeschränkt. Die Menschen haben andere Sorgen. Viele Häuser müssen jeden Tag für mehrere Stunden ohne Wasser auskommen. Bei Temperaturen von rund 35° C im Schatten ist das sicherlich kein Spaß. Nur eines von vielen Problemen. Klagen hört man die Menschen in der Stadt jedoch nicht. Seit etlichen Jahren hat sich die Lage nicht wirklich verbessert. Sie wissen sich zu helfen.

Oder besser gesagt, sie müssen es, wenn sie über die Runden kommen wollen.

Karge Landschaft oberhalb von Talas, Kirgistan

Ein Beispiel ist der Hutmacher Ailtschew Turdubek. Heute ist er ein bekannter Mann, selbst der Präsident soll eines seiner Werke auf dem Haupte tragen. Angefangen hat er nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion. Die wirtschaftliche Not war groß. Betriebe brachen zusammen, neue Arbeitsplätze entstanden keine. Also beschloss er, traditionelle kirgisischen Fellmützen zu nähen. Inzwischen verkauft er auch in der Hauptstadt Bischkek seine Handwerkskunst und beliefert sogar Kunden in Kasachstan und Sibirien. Die Geschäfte laufen. Seine Tochter Machabat steigt mehr und mehr in die Produktion mit ein. Sie wird die Hutkunst aus Talas auch in der nächsten Generation fortführen.

Hutmacherin Machabat aus Talas, Kirgistan

Das wir diesen Blogeintrag und die Fotos überhaupt überspielen können, haben wir unserem Satellitentelefon zu verdanken. Ein bisschen unorthodox mag der Standort sein, den wir wählen mussten. Aber Reservekanister sind halt nicht nur für den Transport von Diesel da…

Matthias Kofahl mit Übertragungstechnik auf dem Dach des Expeditionsautos