Endlich da: Visa und Akkreditierung für Usbekistan

Es hat lange gedauert, hat am Ende einige Nerven gekostet. Aber ich will nicht klagen, schließlich können wir doch unseren Weg durch Zentralasien so nehmen, wie wir das ursprünglich geplant haben. Am Dienstag (21. August) werden wir nach Usbekistan einreisen. Zuerst für eine paar Tage im Ferganatal bleiben, dann via Taschkent und Samarkand zum Aralsee fahren. Vor der Weiterreise nach Tadschikistan steht noch ein ausführlicher Aufenthalt in der alten Karawanserei Buchara auf dem Drehplan.

Wir haben lange für diese Tage in Usbekistan gekämpft. Mein Dank gilt allen, die uns dabei über Wochen hinweg unterstützt haben!

Von Bischkek nach Talas zum Hutmacher Turdubek

Nun ist es soweit. Unsere Reise durch Zentralasien hat begonnen. Wir haben Bischkek verlassen, sind gen Südwesten gefahren, hinein ins Gebirge. Die Region Talas ist unser erstes Ziel. Fünf Stunden für rund 260 km muss man rechnen. Zwei hohe Pässe mit 2564 m und 3330 m wollen überquert werden. Steil zieht die Straße beim ersten Pass nach oben, endlos erscheinen die Serpentinen. Ein erste Vorgeschmack auf das, was uns später im Pamir und Tianshan erwarten wird. Aber immerhin, die Straßen sind geteert und in einem recht guten Zustand. Entlang der Strecke stehen immer wieder Jurten. Nomaden haben sich mit ihren Tieren an dieser viel befahrenen Straße niedergelassen. Verkaufen Stutenmilch und andere kirgisische Spezialitäten. Hoffen auf ein gutes Nebengeschäft.

Jurten säumen den Weg nach Talas

Talas liegt in einem weiten Tal. Die Hänge der bis zu 4500 m hohen Berge sind karg, fast schon wüstenartig. Die Stadt liegt in einem grünen Gürtel. Die moderne Internetkommunikation ist in Talas stark eingeschränkt. Die Menschen haben andere Sorgen. Viele Häuser müssen jeden Tag für mehrere Stunden ohne Wasser auskommen. Bei Temperaturen von rund 35° C im Schatten ist das sicherlich kein Spaß. Nur eines von vielen Problemen. Klagen hört man die Menschen in der Stadt jedoch nicht. Seit etlichen Jahren hat sich die Lage nicht wirklich verbessert. Sie wissen sich zu helfen.

Oder besser gesagt, sie müssen es, wenn sie über die Runden kommen wollen.

Karge Landschaft oberhalb von Talas, Kirgistan

Ein Beispiel ist der Hutmacher Ailtschew Turdubek. Heute ist er ein bekannter Mann, selbst der Präsident soll eines seiner Werke auf dem Haupte tragen. Angefangen hat er nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion. Die wirtschaftliche Not war groß. Betriebe brachen zusammen, neue Arbeitsplätze entstanden keine. Also beschloss er, traditionelle kirgisischen Fellmützen zu nähen. Inzwischen verkauft er auch in der Hauptstadt Bischkek seine Handwerkskunst und beliefert sogar Kunden in Kasachstan und Sibirien. Die Geschäfte laufen. Seine Tochter Machabat steigt mehr und mehr in die Produktion mit ein. Sie wird die Hutkunst aus Talas auch in der nächsten Generation fortführen.

Hutmacherin Machabat aus Talas, Kirgistan

Das wir diesen Blogeintrag und die Fotos überhaupt überspielen können, haben wir unserem Satellitentelefon zu verdanken. Ein bisschen unorthodox mag der Standort sein, den wir wählen mussten. Aber Reservekanister sind halt nicht nur für den Transport von Diesel da…

Matthias Kofahl mit Übertragungstechnik auf dem Dach des Expeditionsautos

Auto angekommen, Visa in Aussicht

Es war kurz vor 2 Uhr in der Nacht, als unser Expeditionsauto vor dem Hotel geparkt wurde. Mit nur einem Arbeitstag Verspätung ist das Auto, mit dem wir schon im vergangenen Jahr von Deutschland aus quer durch Russland nach Wladiwostok gefahren sind, bei uns abgeliefert worden. Mit einer Spedition (herzlichen Dank an Eugen Theurer und Rudolf Elke!!) ist es per LKW nach Almaty (Kasachstan) transportiert worden, und von dort ging es vergangene Nacht per Achse weiter.

Noch eine gute Nachricht hat uns soeben per Telefon erreicht. Unsere Route durch Usbekistan ist von den Behörden genehmigt worden. Lange Zeit war das noch offen. So können wir jetzt wie geplant unsere Dreharbeiten in Zentralasien durchführen. Zumal sich auch die Lage im Pamir-Gebirge (Tadschikistan) normalisiert hat. Die Sperrung des Gebietes um die Stadt Khorog soll aufgehoben worden sein.

Morgen werden wir Bischkek westwärts verlassen. Die Talas-Region ist unser erstes Ziel.

Der Lovepark in Bischkek

Ein Seitenblick von Matthias Kofahl

Ja, genau dahin soll es gehen. In den Love Park. Am Sonntagmorgen beschließe ich, Julia zu diesem wichtigen Platz für Bischkek zu folgen. Julia ist Anfang zwanzig, studiert Germanistik und Deutsche Geschichte. Sie möchte mir das jugendliche Gesicht der Stadt zeigen und darin spielt dieser vielsagende Park eine bedeutende Rolle. Liebespaare können sich selten zuhause treffen. Auf viel zu engem Raum leben dort meist mehrere Generationen in den Plattenbauten zusammen.

Julia Der Lovepark in Bischkek weiterlesen

Bischkek, ein Basar und die Suche nach einem Poloshirt

Der Sonntag hat gerade sehr sonnig hier in Bischkek begonnen. Um die 35° C werden es heute wohl wieder werden. Regen ist keiner zu erwarten. Normales Sommerwetter in diesem Teil Zentralasiens. Von unserem Auto haben wir noch nichts Neues gehört. Das wird wohl auch so bis zum morgigen Montag bleiben. Bis eben die entsprechenden Behörden wieder arbeiten. So bleibt uns Zeit, Bischkek zu erkunden. Gestern haben wir das mit Elena gemacht. Sie spricht hervorragend Deutsch und kennt vor allem den Osch-Basar sehr gut. Denn sie wohnt gleich um die Ecke.

Den Basar sehen aber auch den eigenen Kleiderengpass ein wenig beseitigen. Eine gute Idee. Wir haben also Elena gefragt. Ein Poloshirt wäre nicht schlecht. Wäsche zum Wechseln eben. Doch dieses Vorhaben sollte sich als eine schwierige Nummer erweisen.

Der Filmemacher zusammen mit der Dolmetscherin Elena auf dem Osch-Basar in Bischkek

Im Stadtzentrum gibt es einige Einkaufszentren, die ähnlich den unsrigen in der Heimat sind Bischkek, ein Basar und die Suche nach einem Poloshirt weiterlesen