Besondere Tage in Zentralasien

Es gibt Tage bei Filmproduktionen wie diese, die sind weder ergiebig in Sachen Dreharbeiten, noch sind sie wirklich erbaulich. Spannend sind sie, dies schon. Wenn auch in einer Art, auf die man gerne verzichten würde. Man lernt viel an solchen Tagen über die Struktur eines Landes kennen. Wie es im Inneren tickt und funktioniert. Und damit auch viel über die Menschen. Und dennoch würde ich gerne auf sie verzichten.

Was dies für Tage sind? Ich möchte sie so beschreiben. Behörden in Deutschland sind nicht unbedingt die Orte, die ich am liebsten aufsuche. Aber sie sind korrekte, verlässliche und aussagekräftige Orte, die nicht vom Zufall und sonstigen Dingen, die jetzt ein jeder für sich selbst ausdenken mag, gesteuert sind. Wer das nicht glauben oder verstehen mag, der kann ja mal zwei, drei Tage Behördenmarathon in Tadschikistan (wahlweise auch in Usbekistan) machen.

Und dennoch. Es gibt sie auch hier. Beamte, die einem wirklich weiterhelfen. Auch bei Problemen, die man selbst gar nicht kreiert hat.

Aber klagen gilt nicht. Solche besonderen Tage gehören einfach dazu, wenn man einen Film über Zentralasien dreht.

Unterwegs im Süden Tadschikistans

Geschuldet der Tatsache, dass das Pamir geschlossen ist (und leider auch bleibt), haben wir nun die Region zwischen Duschanbe und der Grenze zu Afghanistan bereist. Ein Gebiet, welches einst eine riesige Steppen- und Wüstenlandschaft war, sich heute jedoch in weiten Teilen als Agrarland präsentiert. Zu verantworten hat das alles Stalin. Er gab in den 1930er Jahren den Befehl, diese Region urbar zu machen. Vor allem Baumwolle sollte angebaut werden. Bis in jetzige Zeiten hat sich daran nicht viel geändert. Baumwolle ist (wie auch für Usbekistan) ein guter Exportschlager und damit hervorragender Devisenbringer. Unübersehbar sind derzeit die vielen Baumwollberge an den Sammelstellen.

Kurz vor der Grenze zu Afghanistan, nahe der Kleinstadt Shartuz, am Rande des auch hier sehr grünen Tales, ist ein malerisches Kleinod, das den Moslems sehr heilig ist. 44 Quellen wird er genannt. Aus den Felsen tritt an eben 44 Stellen Wasser aus. Nicht wild, sondern ganz in Ruhe. Einer jeden Quelle wird eine ganz eigene heilende Wirkung nachgesagt. So kommen viele um von heiligen Wasser zu trinken – und um die vielen Fische im Wasser zu bestaunen.

Unterwegs im Süden Tadschikistans weiterlesen

Tage in der Umgebung von Duschanbe

Die letzten Tage stand das Land ganz im Zeichen der Feierlichkeiten zum 21. Unabhängigkeitstag. Was machen die Tadschiken an solchen Tagen. Das, was Menschen wohl überall auf der Welt gerne machen – ausgiebig feiern. Hoch im Kurs dabei das Nationalgericht Kurotob. In Stücke gerissenes Fladenbrot wird in einem Holzteller mit Kefir und heißem Öl übergossen, anschließend mit Tomaten, Zwiebeln, Gurken sowie Peperoni und Kräutern garniert.

Ebenfalls sehr begehrt ist Fatir Schubo (im Bild der kleinere Holzteller). Eine dicke Suppe aus gerissenem Fladenbrot, Kartoffeln, Maiskörnern sowie Rindfleisch und Brühe.

Wir haben die Tage genutzt, um das einzige Skigebiet in der Nähe von Duschanbe zu besuchen. Allein die Anfahrt ist schon abenteuerlich. Die letzten 24 Kilometer führen über eine meist einspurige Schotterpiste. Wir haben mehr als 15 Murren und Gerölllawinen gezählt, die die Piste überspült haben. Jetzt in der regenlosen Sommerzeit mag das alles kein Problem sein. Aber ich kann mir nur schwer vorstellen, wie das im Winter und Frühjahr funktionieren soll. Schneelawinen und Sturzbäche… Mir scheint, dass die höher liegenden Dörfer dann oft tagelang von der Außenwelt abgeschnitten sind.

Tage in der Umgebung von Duschanbe weiterlesen

Tadschikische Berge

Man möchte nach all den Tagen im flachen Usbekistan fast „endlich“ sagen: Berge soweit das Auge reicht. Schroffe Gebirgszüge, baumlos, karg, steil, atemberaubend. Wild, verwegen, die Augen genießen die Aus- und Ansichten. Grün sind nur wenige Oasen in den Tälern.

Doch so schön für den Betrachter diese Eindrücke sein mögen, für die Menschen in den Täler ist das Leben mitunter sehr bedrohlich. Vor allem im Frühjahr, wenn die Schneeschmelze einsetzt. Dann sind etliche Dörfer von Schnee- und Schlammlawinen bedroht. Hinzu kommt, diese Region Zentralasiens ist ein extremes Erdbebengebiet. Seit 1955 hat es mehr als 900 Beben gegeben.

Das Deutsche Rote Kreuz hat deshalb ein Programm zur intensiven Vorbereitung der Menschen auf solche Katastrophen gestartet. In Zarabod sehen wir eine solche Übung. Das halbe Dorf ist dabei. Vor drei Jahren wurden die Menschen unterrichtet, seitdem kommen sie alle zwei Monate zusammen, um für den Ernstfall die Abläufe einzustudieren. Ein kleines Lazarett wird aufgebaut, die Bergung Verletzter und Verschütteter wird simuliert, die gezielte Kommunikation ebenso.

Die Straßen in Dörfer wie Zarabod sind meist einfach Pisten. Verkehrswege nicht nur für Motorisierte.

Usbekistan liegt hinter uns…

… und so manches bleibt in diesem Land mit Fragezeichen versehen. Nicht nur, warum es in einem Staat, der über Erdöl verfügt, an keiner einzigen Tankstelle auf normalem Weg Diesel zu kaufen gibt. Und sich selbst vor Gas- und Benzin-Zapfsäulen mitunter sehr lange Schlangen bilden.

Tadschikistan ist nun für die nächsten knapp drei Wochen unserer Drehgebiet. Leider ist ein Großteil der Pamir-Region weiterhin geschlossen, auch wenn es im Internet vereinzelt andere Nachrichten gibt. Wir müssen deshalb unsere geplante Reiseroute verändern. Werden statt nach Khorog und in den Wakhan-Korridor die Region südlich von Duschabe und das Dzhigatal-Tal (nördliche Pamir-Region) bereisen.

Mehr zu all dem und erste Bilder aus Tadschikistan folgen im nächsten Blog.

Der alte Goldsticker von Buchara

Diese rund 2500 Jahre alte Stadt Buchara, sie ist für mich die schönste an der Seidenstraße. Was hat sie für wunderbare Ansichten! All diese herrlichen Gebäude in der historischen Altstadt. Die vielen Medresen, das jüdische Viertel mit seinen schönen, zum Teil gut erhaltenen Wohnhäusern. Das 50 m hohe Minarett Kalon, direkt daneben die gleichnamige Moschee, die größte in Zentralasien!

Was mich aber noch mehr fasziniert, sind die Menschen. Einer ist dieser Mann:

Mit seinen 92 Jahren sitzt er noch fast täglich in einem kleinen, gerade mal 6 qm großen Raum und stickt.

Er ist ein Meister, vielleicht sogar der Meister in Buchara. Der alte Goldsticker von Buchara weiterlesen